Nepalreise März 2017

Bericht über unseren Besuch in Nepal 2017

10 Jahre Nepalhilfe Bietigheim-Hersfeld

Neubau der vom Erdbeben zerstörten Schule in Nepal macht Fortschritte

Ende März reisten Ingrid und Tilo Baur, mit Brigitte und Werner Dülsen als Abordnung der Nepalhilfe Bietigheim-Hersfeld in den Bezirk Sindhupalchowk, nordöstlich von Kathmandu. Anlaß war der Festakt zur Einweihung des ersten Bauabschnitts der Schule. Die ersten 3 Klassenzimmer sind fertig, weitere 3 Räume im Bau. Die restlichen 6 Klassen- räume, Lehrerzimmer und Toiletten werden im nächsten Bauabschnitt folgen. Der Bezirk Sindhupalchowk war am schwersten betroffen vom Erdbeben im April 2015, nahezu alle Schulen wurden zerstört, mindestens jedes zweite Haus ist unbewohnbar. Die Schule in Thulo Dhading wird von ca. 250 Kindern besucht. Vom Kindergarten bis zur 12. Klasse werden alle Klassenstufen unterrichtet. Gute Schüler können dort sogar den Highschool-Abschluß machen.


Sechs Fotos gibt es hier

Seit das Schulgebäude vom Erdbeben zerstört wurde, findet der Unterricht im sogenannten TLC (Temporary Learning Center) statt. Die Klassenzimmer bestehen aus primitiven Verschlägen aus Blech, ein Notbehelf als Übergangslösung. Unter solchen Bedingungen zu unterrichten und zu lernen ist für uns kaum vorstellbar. Das ganze Dorf freut sich auf die neue Schule und viele helfen mit beim Bau. Das große Grundstück wurde von Einheimischen gespendet. Überhaupt waren von Anfang an die Dorfbewohner, Lehrer und Schüler in den Neubau eingebunden.

Hauptsächlich wurde der erste Bauabschnitt vom Verein Nepalhilfe finanziert. Auch künftig soll das Projekt gefördert werden. Der Schulneubau wird von „Hoste Hainse“ koordiniert und überprüft. Mit dieser nepalesischen Hilfsorganisation arbeitet die Nepalhilfe seit 10 Jahren zusammen. „Hoste Hainse“ hat auch den Einsatz von 4 Praktikanten vor Ort organisiert. Die jungen Leute haben tatkräftig bei den Bauarbeiten mitgeholfen bzw. die Kinder unterrichtet. Diese Hilfe aus dem fernen Deutschland hat die Nepali besonders beeindruckt. Eine der volunteers kommt übrigens aus Bissingen. Die Verantwortlichen der Gemeinde hoffen nun auch auf finanzielle Beteiligung der Regierung. Derzeit finden Wahlen in Nepal statt, bleibt zu hoffen, daß sich einiges zum Besseren verändert. Auch die immer noch sehr schleppende Wiederaufbauhilfe für Schulen und private Gebäude nach dem Erdbeben.

Die Fahrt von Kathmandu nach Thulo Dhading dauerte 6 Stunden, obwohl die Entfernung nur 120 km beträgt. Mit dem Jeep ging es teilweise über Stock und Stein. Im Sommer, während des Monsuns sind die Bedingungen noch extremer. Spätestens jetzt wurde den Mitreisenden klar, daß der Transport von Baumaterial schwierig und teuer ist.

Am Ziel erwartete die kleine Reisegruppe ein freudiger Empfang und eine grandiose Landschaft. Nach dem Begrüßungstee wurde die provisorische Schule besichtigt. Dort warteten bereits zahlreiche Schulkinder und Lehrer. Es war der letzte Schultag vor den Ferien. In Nepal beginnt das Schuljahr Ende April. Mit Blumen und den obligatorischen Schals wurden die Gäste reich beschenkt. Weiter ging es zu den Ruinen der zerstörten Schule, ein bedrückender Anblick. Danach zur Baustelle, ideal gelegen auf einem Hochplateau. Alle waren beeindruckt, was seit dem Baubeginn im Dezember 2016 in kurzer Zeit entstanden ist.

Am nächsten Morgen fand der Festakt vor der neuen Schule statt. In einer feierlichen Zeremonie mit zahlreichen Reden, Tänzen und Ehrungen wurde die Fertigstellung des ersten Bauabschnitts gefeiert. Ingrid und Tilo Baur von der Nepalhilfe übergaben eine Marmortafel mit dem Namen der Schule und den beteiligten Spendern. Mit der Gewissheit, daß ein guter Anfang gemacht ist, aber noch viel zu tun ist, ging es wieder zurück nach Kathmandu.

Nun war genug Zeit für Besichtigungen in Kathmandu, Wanderungen in den Bergen und einen Besuch im Chittwan Nationalpark im Terrai, ganz im Süden von Nepal. Die Folgen des Erdbebens sind in manchen Gegenden verheerend. Es wird noch lange dauern, bis die Schäden behoben sind. Viele Bauwerke sind für immer zerstört. Es wird überall gebaut und repariert, ganz viele Mauern und Häuser sind abgestützt. Manchmal sind nur noch Trümmer da.

Am 22. April flog die kleine Gruppe nach Jhapa im Südosten Nepals. Dort, nahe der Grenze zu Indien unterstützt die Nepalhilfe seit 10 Jahren bedürftige Kinder. Ebenfalls in Zusammenarbeit mit Hoste Hainse finanziert der Verein einen Kindergarten, der von 50 Kindern der untersten Kaste 2 Jahre lang besucht wird. Danach haben 10 geeignete Kinder die Möglichkeit, eine nahe gelegene Privatschule zu besuchen. Durch Patenschaften wird der Schulbesuch finanziert, 180 Euro reichen für ein Schuljahr. Mit der Abschlußprüfung nach der 10. Klasse endet die Patenschaft. Jedes Jahr bekommt der Pate ein aktuelles Photo und die Kopie des Zeugnisses, sobald die Kinder schreiben können, auch einen kleinen Brief. Zuerst

stand der Besuch des Kindergartens an. Der Empfang war sehr herzlich, auch viele Mütter waren gekommen. Der Zustand des Gebäudes könnte nicht besser sein. Ganz anders war die Situation, als die Nepalhilfe die Finanzierung 2007 übernommen hat. Inzwischen gibt es Strom, sauberes Wasser, ein gutes Dach und eine kleine Küche. Die Kinder bekommen seit ein paar Jahren eine warme Mahlzeit.

Danach ging es zur „Balkalyan Boarding Secondary School“, um die Patenkinder zu treffen. Aktuell werden 78 Kinder unterstützt. Klassenweise aufgestellt erwarteten sie die Abordnung aus Deutschland. Es war schon der dritte Besuch der Nepalhilfe. Mit einer bewegenden Feier, an der alle Schüler und Lehrer teilnahmen, bedankten sich die Verantwortlichen für die Unterstützung aus Deutschland. Mit der Bitte, weiterhin in Bildung für unterprivilegierte Kinder zu investieren. Für diese Kinder ist Bildung die einzige Chance, der Armut zu entkommen.

Mit der Gewissheit, daß all die Spenden gut angelegt sind reiste die Gruppe wieder nach Deutschland zurück. Auch mit der Bestätigung, wie wichtig persönliche Kontakte vor Ort sind. Die regelmäßigen Besuche in Nepal sollen auch künftig stattfinden. Durch die Reisen zusammen mit Krishna Shah war genug Zeit für rege Diskussionen und Gespräche. Er hat die Leitung von Hoste Hainse von seiner Mutter Sulo Shah übernommen und führt auch die Geschäfte der Teppichfabrik Formation Carpets. Aber nach wie vor engagiert sich Sulo weiterhin für die Bildung von Kindern.

Der Verein Nepalhilfe Bietigheim-Hersfeld e.V. besteht nun seit 10 Jahren, mit derzeit 108 Mitgliedern. Der gemeinnützige Verein garantiert, daß 100 Prozent der Spenden in Nepal ankommen. Durch die Zusammenarbeit mit nepalesischen Organisationen vor Ort ist die optimale Verwendung der Gelder dort gewährleistet. Die großzügigen Spenden nach dem Erdbeben haben die Anschubfinanzierung des Schulneubaus ermöglicht. Besonders unterstützt wird der Verein seit Jahren von der Initiativgruppe 3. Welt in Bietigheim-Bissingen.

Es grüßt mit einem herzlichen Namaste
IIngrid Baur, 2. Vorsitzende

 

Download des Reiseberichts 2017 als pdf

 

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